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...wie in schlechten Zeiten

Die Gedanken des Monats November kommen aus dem Leben von Tine

 

...wie in schlechten Zeiten

Vor einigen Wochen mussten wir unsere Tante Renate beerdigen.

Die letzte Zeit war nicht einfach für sie. Durch ihre Parkinsonerkrankung war sie zunehmend eingeschränkt in ihren Bewegungen und vor allem auch im Sprechen.

Da ist uns als Familie immer wieder die Frage begegnet:

 

Wie kann es sein, dass Renate ihr Leben lang in Gottes Auftrag so viel Gutes getan hat und für andere ein Segen war, und dann zum Schluss unter dieser furchtbaren Krankheit leiden musste?

 

Diese Frage nach dem Leid schleicht sich bestimmt bei den meisten von uns immer mal wieder ein.

Auch wenn es darauf keine schnelle Antwort gibt, glaub ich, dass es enorm wichtig ist, diese Frage zuzulassen und darüber zu reden.

Denn wenn wir Leid erleben oder an anderen sehen, sind wir immer in Gefahr, daran zu zweifeln, dass Gott uns liebt und dass ER es gut mit uns meint. Das bedeutet zwar meistens nicht, dass wir unseren Glauben ganz über Bord werfen. Aber durch den Zweifel an Gottes Liebe und Güte bauen wir sowas wie einen kleinen Zaun oder eine niedere Mauer zwischen uns und Gott. Es entsteht eine Art innere Distanz zu IHM. Und das gerade dann, wenn wir eigentlich SEINE Liebe und SEINEN Trost so sehr brauchen würden.

Ich glaub, genau deshalb fordert der Beter des 103. Psalm seine Seele auf:

 

„Lobe der HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“

 

Das bedeutet, gerade wenn unsere Seele leidet, müssen wir sie ganz besonders an Gottes Liebe und Güte erinnern und an alles Gute in unserem Leben.

Und auch wenn es in leidvollen Zeiten eigentlich erstmal verrückt klingt und sich falsch anfühlt:  Gerade Lobpreis führt uns zurück auf den Weg in Gottes Arme.

 

Trotzdem schreit vielleicht gerade jetzt Deine Seele: Das ist ungerecht! Wieso ausgerechnet ich? Wieso ist so viel Leidvolles bei mir? Warum in meiner Familie?

 

Ich weiß es nicht.

Was ich aber weiß, ist, dass Gott uns versprochen hat, dass denen, die IHN lieben, alle Dinge zum Besten dienen. SEINE Liebe zu uns übersteigt bei Weitem jede mütterliche und väterliche Liebe hier auf der Erde. Was das bedeutet, ist mir klarer, seit ich selbst eine Tochter hab. So manche Entscheidung hab ich für sie getroffen, die Marlene nicht gepasst hat, die sie nicht verstanden hat, die ihr vielleicht sogar weh getan hat. Nicht um sie zu ärgern oder zu strafen, sondern weil ich überzeugt war, dass sie zu ihrem Besten dient. So hab ich auch zugelassen, dass man sie aufschneidet, weil ich wusste, dass es nötig war, um ihren Herzfehler zu korrigieren.

 

Ich glaub, dass Gott auch so manches Mal Werkzeug an unsere Herzen anlegt und zulässt, dass wir Schmerzliches erleben. Aber die Zusage bleibt: ER hat dabei immer unser Bestes im Sinn.

ER kann gar nicht anders, weil ER uns liebt. Und ER steht uns mit SEINER väterlichen Fürsorge und SEINEM mütterlichem Trost bei. Das hat Renate tief im Herzen gewusst.

 

„Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern,

des Leids gefüllt bis an den höchsten Rand.

So nehmen wir ihn dankbar, ohne Zittern

aus deiner guten und geliebten Hand.“

 

Dieser Vers von Bonhoeffer klingt eigentlich so unmöglich und fast schon unmenschlich.

Aber genau so hat Renate ihre Krankheit angenommen. Nicht aus eigener Kraft, sondern aus Gottes Kraft und in der liebevollen Verbindung mit ihrem Jesus. Darin will ich sie mir zum Vorbild nehmen:

Nah an Jesus bleiben, der mich ganz bestimmt in guten und schlechten Zeiten hält und trägt.

 

Tine